Megamarsch München–Garmisch – Upps, I did it again

Megamarsch München
Bildquelle:
  • mega_muenchen_100km_1920: Megamarsch

106 KM

Upps… ich hab’s wirklich wieder getan. 100 Kilometer. 24 Stunden. München bis Garmisch. Ein Megamarsch, der seinem Namen alle Ehre gemacht hat – und mir mal wieder gezeigt hat, wie schmal der Grat zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Ich geh trotzdem weiter“ sein kann.

Ich bin entspannt gestartet, ganz hinten im Feld. Kein Druck, kein Stress, einfach loslaufen und schauen, was der Tag bringt. Die neue Route fühlte sich an wie ein kleines Abenteuer: erst entlang der Isar, dann durch Schäftlarn und Icking – und irgendwann, ganz weit hinten am Horizont, tauchte zum ersten Mal das Werdenfelser Land auf. Ein Blick rüber zum Estergebirge, die Zugspitze im Dunst… dieser Moment hatte etwas Magisches.

Doch Magie hält nicht ewig. Spätestens als die Dämmerung kam und der Regen einsetzte, wurde aus dem Abenteuer ein Kampf. Münsing, Starnberger See, weiter Richtung Süden – und dann, irgendwo im „Blauen Land“, kam er: der Tiefpunkt.

Nach 60 Kilometern war ich durch. Kälte, Dauerregen, Schmerzen, Müdigkeit – und diese Stimme im Kopf, die flüstert: „Es reicht. Du musst das nicht zu Ende laufen. Es ist okay, jetzt aufzuhören.“

Und dann stand ich da, klatschnass, frierend, müde – und wusste nicht, ob ich weitergehen kann.

Was mich gerettet hat? Eine Geste, die größer war als sie vielleicht gemeint war: Petzl, die ihre Räumlichkeiten für 2.000–3.000 völlig übernächtigte, durchgefrorene Wanderer geöffnet haben. Ein Dach. Wärme. Licht. Manchmal braucht es nicht mehr, um wieder aufzustehen.

Der Morgen am Riedsee war rau. Ein kalter Wind aus dem Wetterstein, der einem direkt ins Gesicht fuhr. Aber irgendwie war da auch dieser Satz, der mich schon die ganze Nacht begleitet hatte: „Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.“ Ton Steine Scherben. Und ja – um 5:30 Uhr, nach dieser Nacht, hat mich genau dieser Gedanke weitergetragen.

Was mich zusätzlich getragen hat: die Menschen. Gleich nach dem Start lernte ich jemanden kennen, der mit nichts weiter als einer Bauchtasche unterwegs war. Kurz darauf zwei Novizen, die spontan gebucht hatten. Mit ihnen bin ich drei Viertel der Strecke gelaufen. Ihr erster Megamarsch – und was für einer. Hut ab.

Und dann diese kleinen Momente, die man nicht planen kann: In Icking fragt jemand: „Wollt ihr ein Bier?“ Kurzes Zögern. Dann ein spontanes Blasmusik‑Ständchen, ein Tegernseer auf die Hand – und plötzlich fühlt sich die Welt wieder leicht an. Genau solche Augenblicke machen diese Märsche unvergesslich.

Am Ende, trotz Klettersteig und vorabendliche Weihnachtsfeier bis 4 Uhr in der Früh (ja, wirklich…), hab ich’s geschafft. Ziel erreicht. Erschöpft, durchgefroren, glücklich.

Und wieder einmal gemerkt: Manchmal geht’s nicht darum, stark zu sein. Sondern darum, trotzdem weiterzugehen.

Wenn jemand Tipps braucht – Vorbereitung, Ausrüstung, Langstrecke, Berge – meldet euch. Ich teile gern, was ich gelernt habe.

Quelle: Stephan Wild auf Facebook

Dieser Beitrag stammt im Original von „Stephan Wild“ und wurde redaktionell und mit digitaler Unterstützung verfeinert.

Meinungen:

Werde Teil der Geschichte

Hast du zu diesem Thema eigene Erfahrungen gesammelt oder aktuelle Tipps aus dem Frankenwald? Teile deine Erlebnisse in deiner persönlichen Story und inspiriere andere Wanderer!

Lust auf einen Wander-Kaffee?

Dir hat unser Content gefallen? laufmichel bleibt werbefrei und unabhängig. Wenn du unsere Arbeit wertschätzt, freuen wir uns über eine kleine Unterstützung für unsere digitale Kaffeekasse.